Thema im Deutschunterricht einer vierten Klasse:
Karl Löwenherz ist durch eine Notlüge ins Heckenrosental gelangt.
Die Tengilmänner Kader und Veder begleiten ihn. Sie wollen nun sehen,
wo Karl wohnt und wer sein Großvater ist.
Aufgabe:
Begründe, warum Karl sich gerade für Mathias als Großvater entscheidet.
Versuch auch, Karls Gedanken, Gefühle und Ängste zu beschreiben.
Dies sind von Schülern und Schülerinnen verfasste Arbeiten:
Arbeit 1
Die Brüder Löwenherz
(Mitte Kapitel 8)
Als Karl mit den beiden
Tengilmännern ins Heckenrosental geritten kam, war Karl so traurig, denn er
hatte gesagt: „Ich wohne bei meinem Großvater.“ Also musste er ein Haus finden,
in dem ein alter Mann lebte und der ihn auch noch aufnehmen würde, sonst wäre er
verloren.
So ritt Karl mit den Soldaten durch die schmalen Straßen. Überall mussten die
Leute schwer arbeiten. Die Soldaten wurden schon unruhig, aber Karl ritt einfach
weiter. Er hatte ein so schlechtes Gefühl und er wollte am liebsten auf der
anderen Seite der Erde sein.
Plötzlich sah er vor einem weißen Haus einen altertümlich gekleideten alten
Mann, der auf einer Bank saß und Tauben fütterte.Karl ging ein Licht auf und er
dachte: „Jetzt habe ich endlich einen Mann gefunden“.
Doch als er näher an das Haus mit dem alten Mann kam, verschwand sein Mut und
von neuem begann er zu zittern. Als sie schon fast an dem Haus vorbeigeritten
waren, sah Karl, zwischen all den vielen dunklen Tauben, eine prachtvolle weiße.
Karl dachte: „Ich glaube, dass ist eine von Sophias Brieftauben!“
Auf einmal sprang Karl vom Pferd und rannte dem Alten direkt in die Arme. Er
flüsterte in seiner Verzweiflung: „Hilf mir, bitte! Sag, dass du mein Großvater
bist!“
Karl guckte den Mann traurig an. Der sagte so laut, dass die Tengilmänner es
hörten: „Na, mein Junge! Wo bist du denn so lange gewesen, dass Soldaten dich
heimbringen?“
Langsam drehte Karl seinen Kopf zu den beiden Männern. Die guckten verdutzt und
schimpften den alten Mann mächtig aus. Danach verschwanden sie hinter den, von
der Abendsonne beleuchteten, Häusern.
Karl musste weinen. Er probierte zu sagen: „Danke! Du hast mich gerettet!
Schade, dass du nicht wirklich mein Großvater bist“.
„Ja, dass finde ich auch schade“, sagte dann der alte Mann, bzw. Karls neuer
Großvater. Karina Blommen
Arbeit 2
Die Brüder Löwenherz
„ Wenn ich Jonathan je wieder sehen werde, dann werde ich ihm erzählen, wie
Veder und Kader mir geholfen haben, ins Heckenrosental zu gelangen. Da würde er
bestimmt etwas zu lachen haben!“, dachte ich. Aber ich konnte im Moment nicht
darüber lachen. Da wurde ich aus meinen Gedanken gerissen, denn Veder sagte,
nein er brüllte eher:“ Reit voraus und zeig uns den Weg. Wir müssen mit deinem
Großvater mal ein Hühnchen rupfen!“ Ich nickte stumm, denn jetzt konnte ich
nichts sagen, weil ein dicker Angstkloß in meinem Hals saß. Aber ich trieb
Fjalar an und schlug einen Weg neben der furchteinflößenden Mauer ein.
Als wir das Heckenrosental sahen, sah ich, dass es auch hier viele weiße Häuser
gab. Aber ich traute mich nicht auf eines zu zeigen, weil ich nicht wusste, wer
darin wohnte. Ich hatte nicht den Mut, zu sagen:“ Dort wohnt mein Großvater!
Denn wenn da kein alter Mann wäre, geschweige denn jemand, der sich als mein
Großvater ausgeben wollte, würde es schlecht um mich bestellt sein.
Jetzt saß ich wirklich in der Klemme. Ich sah mich schon in der Katlahöhle
sitzen. Mir lief der Angstschweiß über die Stirn in die Augen und das Salz
brannte in den Augen. Einen Großvater zu erfinden, das war leicht gewesen, doch
in Wahrheit einen zu finden, war weitaus anstrengender, als ich mir vorstellen
konnte. Ich ritt und ritt und Veder und Kader wurden immer ungeduldiger. Doch
mich interessierte es nicht im Geringsten. Es kam mir vor, als würde ich bis ans
Ende der Welt reiten wollen.
Doch am Rande des Heckenrosentals sah ich ein hübsches weißes Haus, vor dem ein
alter Mann auf einer gemütlichen Bank saß und ein paar graue Tauben fütterte.
Aber eine schneeweiße Taube war dabei. Diese Taube war wie eine Zielfahne für
mich. Ich sprang in letzter Not von Fijalars Rücken und lief dem erstaunten Mann
in die Arme. Ich flüsterte ihm ins Ohr:“ Rette mich. Sag, dass du mein Großvater
bist!“ Der Mann erwiderte die Umarmung. Er war wie eine Mauer gegen alles Böse.
Dann sagte er:“ Da bist du ja endlich! Was hast du unseliges Kind denn gemacht,
dass Soldaten dich heimbringen?“
Oh mein armer Großvater. Er wurde beschimpft und bemeckert. Dann ritten
Veder und Kader weg. Als ihre Helme nur noch ein schwarzer Punkt am Horizont
waren, weinte und weinte ich. Die Nacht war so schwer gewesen. Der Großvater
ließ mich gewähren. Er wiegte mich in seinen Armen hin und her. Oh wie sehr ich
mir wünschte, dass er mein richtiger Großvater wäre. Auch wenn ich weinte, ich
versuchte es ihm zu sagen.“ Ich will gerne dein Großvater sein!“, sagte er, „
Doch mein Name ist Matthias. Und wie heißt du?“ „ Karl Lö….“, begann ich. Doch
dann verstummte ich. War ich denn wahnsinnig, diesen Namen im Heckenrosental zu
erwähnen?
Arbeit 3
Die Brüder Löwenherz
Die beiden Soldaten und ich waren schon eine
ganze Weile unterwegs. Wir mussten ein weißes Haus finden, in dem ein alter Mann
lebte, der mich auch noch aufnehmen würde. Immer, wenn wir an einem Haus
vorbeiritten, rutschte mir das Herz weiter in die Hose. Wir mussten schon eine
ganze Weile geritten sein, als ich endlich ein Haus gefunden hatte, von dem ich
glaubte, dass es das richtige sei. Der Grund war, dass ich eine schneeweiße
Taube entdeckte. Eine einzige! Ich dachte mir sofort: „Die kommt von Sofia! Der
alte Mann muss die Tauben von Sofia empfangen, solange Orwar in der Katlahöhle
sitzt.“
Ich grübelte und überlegte, ob ich es wirklich wagen und den alten Mann fragen
sollte, ob er mich aufnehmen würde. Was war, wenn der Mann die beiden Soldaten
sah. Er würde mich bestimmt wegstoßen und sagen: „Warum sollte ich das Risiko
eingehen und womöglich in der Katlahöhle landen?“ „Doch bei wem sollte ich es
dann versuchen?“
Ich zögerte noch, aber dann brachte ich es über mein Herz und sprang von meinem
Pferd und rannte auf den alten Mann zu: Ent-weder in die Katlahöhle oder in
meine Rettung. Ich flüsterte dem alten Mann ins Ohr: „Hilf mir, ich brauche
dich. Wenn du mir nicht hilfst, lande ich in der Katlahöhle!“ Ich war ganz
optimistisch, dass er mich nicht wegstoßen würde. Und ich hatte Glück. Er stieß
mich nicht weg, sondern hielt mich fest. Seine Arme waren für mich wie ein
Schutz gegen alles Böse.
Geschrieben von Jona Simons, Klasse 4C
Arbeit 4
Die Brüder Löwenherz
S.97-102
Als Krümel ins Tal kam, sagten die Tengilmänner
zu ihm: „Dann zeig uns mal wo du wohnst!“ Sie grinsten Krümel höhnisch an. Lügen
war ja leicht gewesen, aber jetzt ein Haus zu finden mit einem alten Mann, würde
sehr schwer werden. „Reit voraus“, sagte Veder. Krümel war verzweifelt. Sollte
alles umsonst gewesen sein? Hatte es überhaupt einen Sinn gehabt, hierher zu
kommen?
Seine Blicke wanderten durch das Heckenrosental wie Scheinwerfer. Niemand
war zu sehen, keine Menschenseele, noch nicht einmal ein Vogel flatterte herum.
Es war totenstill.
Als sie schon lange geritten waren, fragte Kader: „Dauert es noch lange?“
„Nein“, antwortete Krümel. Dann entdeckte er einen alten Mann vor einem weißen
Haus. „Nein, nein, das ist eine Fatamorgana“, dachte Krümel und rieb sich die
Augen. Der alte Mann fütterte Tauben und Krümel schaute sich jede genau an. Doch
was war das? Zwischen all den gräulichen Tauben war eine einzige Schneeweiße.
Sie flatterte hin und her und sammelte Körner auf.
Da dachte Krümel an all das, was er in diesem Moment gar nicht denken sollte. Er
dachte an das Feuer, den Tod von Jonathan, an Katla, einfach an alles, was er
bisher erlebt hatte. Jetzt wusste er, dieser Mann würde ihm helfen und ihn nicht
abstoßen. Krümel sprang vom Pferd und umarmte ihn. Der alte Mann verstand, dass
Krümel in Not war und spielte mit. „Du unseliges Kind, du strolchst hier herum
und jetzt müssen dich auch noch Tengilmänner nach Hause bringen“.
Dann fingen die Soldaten an, er solle sein Kind nicht herumlaufen lassen. Er
habe Glück gehabt dass sie ihn entdeckt hätten und noch anderes. Aber der Alte
ließ sich nicht verstören, er ließ alles über sich ergehen.
Arbeit 5
Als Karl mit den beiden
Soldaten durch das Heckenrosental ritt, stand er sehr unter Druck ein weißes
Haus mit einem Großvater zu finden, ansonsten drohte ihm die Katlahöhle.
Er war nun in der Klemme und seine Angst wurde immer größer. Es gab viele weiße
Häuser im Heckenrosental. Aber Karl wagte nicht auf eines zu zeigen. Die Angst,
Veder und Kader würden in das Haus gehen und dort keinen alten Mann finden,
hinderte ihn daran. Noch schlimmer wäre es Karl würde jemanden finden, der nicht
sein Großvater sein wollte. Karl schwitzte vor Angst. Wie lange konnte er seine
Schwindelei noch aufrechterhalten, bei seinem Großvater im Heckenrosental zu
wohnen, wo er doch keinen hatte. Er bereute, dass er einen Großvater erfunden
hatte und ihm wurde immer jämmerlicher zu Mute. Überall sah er Leute bei der
Arbeit, aber keinen der aussah wie ein Großvater. Darüber hinaus erschrak Karl,
wie schlecht es den Menschen unter Tengils Gewalt erging. Die Bewohner des
Heckenrosentals sahen ausgehungert, blass und unglücklich aus.
Dann wurden die Tengilsoldaten ungeduldig. Doch Karl beruhigte sie. Er war außer
sich vor Angst und er wusste nicht mehr, was er sagte und tat. Er erwartete
bereits sein Ende ( die Katlahöhle ) als ein Wunder geschah. Karl entdeckte vor
einem weißen Haus einen alten Mann, der Tauben fütterte. Unter den Tauben war
auch eine schneeweiße, wie Karl sie von Sophia kannte. Die Erinnerung an Sophias
Tauben und die damalige Begegnung mit einer schneeweißen Taube in einer anderen
Welt vor seinem Fenster, füllten Karls Augen mit Tränen.
Die Taube bewegte ihn auch, vom Pferd zu springen, sich auf den alten Mann zu
stürzen und ihn verzweifelt um Hilfe zu bitten. Karl hatte furchtbare Angst. Er
erwartete, dass der alte Mann ihn wegstoßen würde, wenn er die Soldaten sehen
würde. Warum sollte er sich Krümels wegen selbst in Gefahr bringen? Doch der
alte Mann hielt zu ihm. Seine Arme waren Karls Schutz gegen alles Böse.
Dann ließ der alte Mann die Beschimpfungen und bösen Androhungen der
Tengilsoldaten über sich ergehen. Als die Soldaten wegritten fing Karl an zu
weinen. Die Nacht, die Erlebnisse in der Höhle, die Tengilmänner und dem Tod
entgangen zu sein, waren zuviel für Karl. Er ließ den alten Mann der ihm
geholfen hatte, nicht mehr los. Er suchte Trost in seinen Armen. Der alte Mann
ließ ihn gewähren. Karl weinte und er wünschte sich, der alte Mann wäre sein
richtiger Großvater. Der alte Mann wollte das gerne für ihn sein. Dann fragte er
Karl nach seinem Namen. Beinahe hätte Karl sich verplappert. Doch er verstummte
noch rechtzeitig. Seinen richtigen Namen hier im Heckenrosental zu nennen, wäre
einfach wahnsinnig, viel zu gefährlich!
Arbeit 6
Krümel ritt sehr lange mit den Tengilsoldaten durch das Heckenrosental. Dabei wurde er immer unsicherer. Karl musste so schnell wie möglich einen alten Mann aufstöbern.
Der Angstschweiß trat ihm in das Gesicht und sein Herz pochte immer schneller. Wo er auch hinschaute, kein alter Mann. Krümel wusste, wenn er kein weißes Häuslein mit einem Großvater finden würde, käme er in die Katlahöhle.
„Wo geht es lang?“, brüllte Veder, „wo wohnt dein Großvater, hmmm?“ „Es dauert nicht mehr lange“, antwortete Krümel und schlug einen Weg dicht an der Mauer ein.
Einen Großvater erfinden war nicht schwer gewesen. Aber jetzt? Veder und Kader wurden schon langsam ungeduldig.
Karl ritt aber immer weiter, als wollte er weit, weit hinter die Welt. Tränen standen in Krümels Augen und er sah sich schon in der Katlahöhle gefangen.
Doch da geschah ein Wunder. Vor einem kleinen Häuslein im grellen Sonnenlicht sah Karl ihn. Einen „Großvater“.
Er fütterte gerade seine Tauben. Krümel wäre einfach weitergeritten, wenn er nicht unter all den grauen Tauben ein weißes Exemplar von Taube gesehen hätte. Eine einzige!
Krümel stieg von Fialar und rannte voller Verzweiflung zu dem alten Mann, schlang die Arme um seinen Hals und weinte und weinte.
Aber weshalb sollte der Alte wegen Karl in der Katlahöhle landen?
„Sag, dass du mein Großvater bist“, sagte Karl mit piepsiger Stimme. Er glaubte, dass der Alte ihn abstoßen würde. Doch der alte Mann spielte das Spiel mit. Er hielt ihn umfasst und seine Arme waren für Karl ein Schutz gegen alles Böse.
„Wo warst du so lange? Du unseliges Kind, dass Soldaten dich nach Hause bringen?“, sagte der neue „Großvater“ so laut, dass es die Soldaten hören mussten.
„Passen sie besser auf ihren Enkel auf“, schnauzten Veder und Kader ihn an. Nur noch dieses eine Mal würden sie ihn gehen lassen. Die Soldaten ritten gemächlich davon, bis sie nur noch als schwarze Punkte am Horizont zu sehen waren.
Karl fing wieder an zu weinen. Alles Gefährliche war hinter ihm.
Karl wünschte sich so sehr der Mann wäre sein richtiger Großvater.
„Ich bin Matthias“, sagte „Großvater“. „Und wie heißt du?“